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Diffamierungen

In den beiden betrachteten Proömien hat sich Cicero eingehend mit den Griechen als Volk beschäftigt. Doch es lässt sich bei den Themen, die er in den fünf Büchern der Tusculanen behandelt, nicht vermeiden, dass er immer wieder auf die Griechen zu sprechen kommt, dann jedoch meist ausgehend von Thesen oder Meinungen, die von diesen stammen. Mehr parenthetisch werden sie deshalb im Laufe der disputationes dargestellt. Die Art der Darstellung unterstützt dennoch die Skizzierung Ciceros Griechenbildes.

Beispielsweise diffamiert er die Griechen, indem er das Wort Graeci in einem negativen Kontext erwähnt, wie im ersten Buch im Satz „sed haec et vetera et a Graecis“[29] oder auch im Satz „ineptum sane negotium et Graeculum“[30]. Der Diminutiv im letztgenannten Beispiel macht sich über die Griechen geradezu lustig, indem er auf sie herabblickend, aber mitleidig den Gedanken zum Ausdruck bringt, dass die ‚Griechlein‘ für ihre Dummheit eigentlich zu bedauern sind.

An einer anderen Stelle spricht Cicero Griechenland direkt an und personifiziert es: „o verborum inops interdum, quibus abundare te semper putas, Graecia!“[31] Durch die Onomatopoesie der dunklen Vokale in den ersten Worten der Apostrophe wird sie besonders eingängig, gleichzeitig bewirkt sie beim Leser – und natürlich vor allem beim Hörer – ähnlichen Spott wie das Wort Graeculum.

Vergleiche der beiden Sprachen Latein und Griechisch

Beliebt ist bei Cicero auch der direkte Vergleich der lateinischen und griechischen Sprache. Dabei kommt er regelmäßig zu dem Schluss ‚nos melius‘, ‚wir machen es besser‘: „multoque melius haec notata sunt verbis Latinis quam Graecis“[32] heißt es im dritten Buch, und auch: „Graeci autem ?????? unde appellent, non facile dixerim; eam tamen ipsam distinguimus nos melius quam illi. hanc enim insaniam, quae iuncta stultitiae patet latius, a furore disiungimus. Graeci volunt illi quidem, sed parum valent verbo“[33]. Vor einer ganz ähnlichen Situation steht Cicero wenig später: „hoc propemodum verbo Graeci omnem animi perturbationem appellant; vocant enim ?????, id est morbum, quicumque est motus in animo turbidus. nos melius: (…)“[34]

Schließlich ist gegen Ende des dritten Buches nach einer Aufzählung verschiedener Kategorien des Unglücks zu lesen: „haec Graeci in singulas scholas et in singulos libros dispertiunt; opus enim quaerunt“[35]. Erneut ist die Selbstgefälligkeit Ciceros gegenüber den Griechen deutlich zu sehen: Da die Griechen ja sowieso nichts vernünftiges zu tun hätten, sollen sie doch ihre Einteilungen vornehmen.

Insgesamt wird Griechenland in den fünf Büchern der Tusculanen in vielen Fällen in einem Zusammenhang oder auf eine Art und Weise erwähnt, die es despektierlich behandeln. Nach der direkten Auseinandersetzung mit den Griechen in den Proömien der ersten beiden Bücher arbeitet Cicero während der Diskussionen auf seinem Landgut en passant weiter an seinem Griechenbild. Zwar geschieht dies hier vereinzelter und oft subtiler, doch hat er immer noch die starke Absicht, die Griechen den Vergleich mit den Römern verlieren zu lassen.

Weiterlesen: Proömium des ersten Buches von De finibus bonorum et malorum

Anmerkungen:

[29] Tusc. 1, 74.

Aber das ist alt und von den Griechen.

[30] Tusc. 1, 86.

In der Tat eine unpassende und griechische Sache.

[31] Tusc. 2, 35.

Oh du Griechenland, du bist manchmal arm an Worten, von denen du immer glaubst, sie im Überfluss zu haben!

[32] Tusc. 3, 10.

Und viel besser wird das mit lateinischen als mit griechischen Worten bezeichnet.

[33] Tusc. 3, 11.

Woher es die Griechen aber ????? nennen, kann ich nicht leicht sagen; trotzdem unterscheiden wir diese besser als sie. Denn wir trennen diese Tollheit, die, verbunden mit Dummheit, weit verbreitet ist, von der Raserei. Die Griechen wollen das zwar, sind aber mit ihrer Sprache zu schwach.

[34] Tusc. 3, 23.

Mit diesem Wort benennen die Griechen jede Gemütsstörung; sie nennen es nämlich ?????, das heißt Krankheit, was auch immer es für eine unruhige Bewegung in ihrem Gemüt ist. Wir machen es besser: (…).

[35] Tusc. 3, 81.

Dies teilen die Griechen in einzelne Untersuchungen und Bücher ein; denn sie suchen eine Beschäftigung.

Literatur:

Cic. Tusc = M. Tulli Ciceronis scripta quae manserunt omnia. Fasc. 44. Tusculanae Disputationes, ed. M. Pohlenz, Stuttgart 1965.