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Est autem maritimis urbibus: Übersetzung

De re publica 2, 7

1. Lateinischer Text

(7) Est autem maritimis urbibus etiam quaedam corruptela ac mutatio morum. Admiscentur enim novis sermonibus ac disciplinis, et importantur non merces solum adventiciae sed etiam mores, ut nihil possit in patriis institutis manere integrum. Iam qui incolunt eas urbes, non haerent in suis sedibus, sed volucri semper spe et cogitatione rapiuntur a domo longius, atque etiam cum manent corpore, animo tamen exulant et vagantur. Nec vero ulla res magis labefactatam diu et Carthaginem et Corinthum pervertit aliquando, quam hic error ac dissipatio civium, quod mercandi cupiditate et navigandi, et agrorum et armorum cultum reliquerant.

Quelle: Cicero: De re publica 2, 7; zitiert nach wikisource, Zeichensetzung leicht verändert zum besseren Verständnis.

2. Übersetzung

Städte am Meer aber haben auch einen gewissen Verfall und eine Veränderung der Sitten. Sie werden nämlich vermischt mit neuen Redensarten und Lehren, und es werden nicht nur ausländische Waren, sondern auch Sitten eingeführt, sodass nichts in den heimatlichen Einrichtungen unberührt bleiben kann. Ja und diejenigen, die diese Städte bewohnen, sind nicht sesshaft an ihren Wohnsitzen, sondern sie werden immer von aufgeregter Hoffnung und Überlegung von zu Hause weit fortgerissen, und auch wenn sie selbst da bleiben, sind sie in ihrem Herzen unterwegs und schweifen umher. Und keine Sache hat einst Karthago und Korinth, die schon lange Zeit wankten, mehr umgestürzt als diese Verirrung und Zerstreuung der Bürger, dass sie aus Gier nach Handel und Seefahrt die Pflege sowohl ihrer Felder als auch ihrer Waffen aufgegeben hatten.

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3. Erläuterungen

  • non haerent in suis sedibus: wörtlich: sie hängen nicht an ihren Wohnsitzen fest.
  • corpore: wörtlich: mit ihrem Körper (im Gegensatz zu ihrem Geist).
  • Carthaginem: Carthago, heute die tunesische Stadt Karthago.
  • Corinthum: Corinthus, heute die griechische Stadt Korinth.
 

Nam terra continens: Übersetzung

De re publica 2, 6

1. Lateinischer Text

(6) Nam terra continens adventus hostium non modo expectatos sed etiam repentinos multis indiciis et quasi fragore quodam et sonitu ipso ante denuntiat, neque vero quisquam potest hostis advolare terra, quin eum non modo adesse sed etiam quis et unde sit scire possimus; maritimus vero ille et navalis hostis ante adesse potest quam quisquam venturum esse suspicari queat, nec vero cum venit, prae se fert aut qui sit aut unde veniat aut etiam quid velit, denique ne nota quidem ulla, pacatus an hostis sit, discerni ac iudicari potest.

Quelle: Cicero: De re publica 2, 6; zitiert nach wikisource, Zeichensetzung leicht verändert zum besseren Verständnis.

2. Übersetzung

Das Festland nämlich kündigt nicht nur die erwarteten Ankünfte von Feinden, sondern auch die plötzlichen mit vielen Vorzeichen vorher an, gleichsam mit einem gewissen Getöse und mit dem Lärm selbst, kein Feind aber kann auf dem Festland herannahen, ohne dass wir nicht nur wissen können, dass er da ist, sondern auch, wer und woher er ist; jener Feind vom Meer und zu Schiff aber kann da sein, bevor irgendjemand vermuten kann, dass er kommen wird, und nicht einmal wenn er kommt, zeigt er offen, wer er ist, oder woher er kommt, oder auch, was er will, schließlich kann an keinem Merkmal entschieden und beurteilt werden, ob er Freund oder Feind ist.

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Qua gloria parta: Übersetzung

De re publica 2, 5

1. Lateinischer Text

(5) Qua gloria parta, urbem auspicato condere et firmare dicitur primum cogitavisse rem publicam. Urbi autem locum – quod est ei, qui diuturnam rem publicam serere conatur, diligentissime providendum – incredibili opportunitate delegit. Neque enim ad mare admovit, quod ei fuit illa manu copiisque facillimum, ut in agrum Rutulorum Aboriginumve procederet, aut in ostio Tiberino, quem in locum multis post annis rex Ancus coloniam deduxit, urbem ipse conderet, sed hoc vir excellenti providentia sensit ac vidit, non esse opportunissimos situs maritimos urbibus eis, quae ad spem diuturnitatis conderentur atque imperi: primum quod essent urbes maritimae non solum multis periculis oppositae, sed etiam caecis.

Quelle: Cicero: De re publica 2, 5; zitiert nach wikisource, Zeichensetzung leicht verändert zum besseren Verständnis.

2. Übersetzung

(5) Als er sich diesen Ruhm erworben hatte, sagt man, habe er sich zuerst vorgenommen, nach der Durchführung von Auspizien eine Stadt zu gründen und den Staat zu stärken. Den Ort für die Stadt jedoch – etwas, wofür derjenige, der versucht, einen dauerhaften Staat zu schaffen, mit größter Gewissenhaftigkeit sorgen muss – wählte er mit unglaublicher Zweckmäßigkeit. Er näherte ich nämlich nicht dem Meer, was ihm mit dieser bewaffneten Schar und diesen Truppen sehr leicht gefallen wäre, dass er ins Gebiet der Rutuler oder Aboriginer vorgerückt wäre, oder selbst an der Tibermündung die Stadt gegründet hätte, an welchem Ort viele Jahre später König Ancus eine Kolonie errichtet hat, sondern dieser Mann sah mit außerordentlicher Voraussicht, dass eine Lage am Meer nicht die günstigste ist für Städte, die mit der Hoffnung auf dauernden Bestand und Herrschaft gegründet werden: erstens, weil Städte am Meer nicht nur vielen Gefahren gegenüberstehen würden, sondern auch unsichtbaren.

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3. Erläuterungen

  • dicitur: Subjekt ist Romulus.
  • quod ei fuit: Im Lateinischen Indikativ (Realis), im Deutschen Konjunktiv (Irrealis).
  • Ancus: Ancus Marcius, der vierte der sieben mythischen Könige Roms, Gründer Ostias.
  • ipse: Romulus selbst, im Gegensatz zu König Ancus.
 

Hoc cum omnes approbavissent: Übersetzung

De re publica 2, 4

1. Lateinischer Text

(4) Hoc cum omnes approbavissent: ‘Quod habemus’ inquit ‘institutae rei publicae tam clarum ac tam omnibus notum exordium, quam huius urbis condendae principium profectum a Romulo? Qui patre Marte natus – concedamus enim famae hominum, praesertim non inveteratae solum sed etiam sapienter a maioribus proditae, bene meriti de rebus communibus ut genere etiam putarentur, non solum ingenio esse divino – is igitur, ut natus sit, cum Remo fratre dicitur ab Amulio rege Albano, ob labefactandi regni timorem, ad Tiberim exponi iussus esse. Quo in loco cum esset silvestris beluae sustentatus uberibus, pastoresque eum sustulissent et in agresti cultu laboreque aluissent, perhibetur, ut adoleverit, et corporis viribus et animi ferocitate tantum ceteris praestitisse, ut omnes, qui tum eos agros, ubi hodie est haec urbs, incolebant, aequo animo illi libenterque parerent. Quorum copiis cum se ducem praebuisset (ut iam a fabulis ad facta veniamus), oppressisse Longam Albam, validam urbem et potentem temporibus illis, Amuliumque regem interemisse fertur.

Quelle: Cicero: De re publica 2, 4; zitiert nach wikisource, Zeichensetzung leicht verändert zum besseren Verständnis.

2. Übersetzung

(4) Als dem alle zugestimmt hatten, sagte er: “Was halten wir für solch einen klaren und so allen bekannten Beginn der Einrichtungen des Staates, wie den Anfang dieser Stadtgründung, begonnen von Romulus? Er war geboren mit Mars als Vater – denn lasst uns der Sage der Menschen zustimmen, zumal sie nicht nur schon sehr alt, sondern auch mit Verstand von unseren Vorfahren überliefert ist, dass diejenigen, die sich um das Gemeinwesen sehr verdient gemacht haben, dafür gehalten wurden, auch von göttlicher Art, nicht nur von göttlichem Verstand zu sein – er also, sagt man, sei, gleich als er geboren war, mit seinem Bruder Remus auf Befehl des Albanerkönigs Amulius aus Furcht vor einem Umsturz seiner Königsherrschaft am Tiber ausgesetzt worden. Als er an diesem Ort an den Zitzen eines wilden Tieres aus dem Wald aufgezogen worden war, Hirten ihn aufgenommen und in Landwirtschaft und ländlicher Arbeit erzogen hatten, sagt man, habe er, als er erwachsen war, an Stärke seines Körpers und Entschlossenheit seines Herzens die übrigen so sehr übertroffen, dass alle, die damals diese Gegend, wo heute diese Stadt ist, bewohnten, ihm bereitwillig und gern gehorchten. Als er sich als der Anführer derer Truppen erwiesen hatte (um jetzt von den Geschichten zu den Tatsachen zu kommen), sagt man, habe er Alba Longa eingenommen, eine starke und mächtige Stadt in jener Zeit, und den König Amulius getötet.

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3. Erläuterungen

  • inquit: es spricht Scipio.
  • Romulo: Romulus, legendärer Staddtgründer Roms.
  • Marte: Mars, römischer Gott, unter anderem der des Krieges.
  • Remo: Remus, Bruder des Romulus.
  • Amulio: Amulius, Sohn des Albanerkönigs Proca(s), Bruder des Numitor.
  • Tiberim: Tiber, durch Rom fließender Fluss.
  • Longam Albam: Alba Longa, Stadt in Latium, nach der Legende gegründet von Aeneas.
 

Quam ob rem, ut ille solebat: Übersetzung

De re publica 2, 3

1. Lateinischer Text

(3) Quam ob rem, ut ille solebat, ita nunc mea repetet oratio populi Romani originem (libenter enim etiam verbo utor Catonis); facilius autem, quod est propositum, consequar, si nostram rem publicam vobis et nascentem et crescentem et adultam iam et firmam atque robustam ostendero, quam si mihi aliquam, ut apud Platonem Socrates, ipse finxero.’

Quelle: Cicero: De re publica 2, 3; zitiert nach wikisource, Zeichensetzung leicht verändert zum besseren Verständnis.

2. Übersetzung

Deswegen wird nun so, wie jener es zu tun pflegte, meine Rede zum Ursprung des römischen Volkes zurückkehren (gerne verwende ich nämlich auch das Wort Catos); was mein Vorsatz ist, werde ich jedoch leichter erreichen, wenn ich euch unseren Staat gezeigt habe, wie er entsteht und wächst und schon erwachsen und stark und fest ist, als wenn ich selbst mir irgendeinen ausdenke, wie Socrates bei Plato.”

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3. Erläuterungen

  • ille: Cato.
  • verbo utor Catonis: gemeint ist Catos Geschichtswerk Origines (nur in Fragmenten erhalten).
  • Plato: Platon, athenischer Philosoph, 428 oder 427 – 348 oder 347 vor Christus.
  • Socrates: Sokrates, athenischer Philosoph, 469 – 399 vor Christus.